Festschrift und Heimatbuch 1956: Die Chronik 1901 - 1956

1901 - 1913

Aus Anlaß des 40jährigen Bestehens (man rechnete in der Folgezeit immer von 1862 ausgehend) sollte im Jahre 1902 ebenfalls ein großes Schützenfest veranstaltet werden, doch wurde der Plan aus unbekannten Gründen wieder fallengelassen. Wohl wurde im folgenden Jahre, 1903, in der Versammlung vom 19. April beschlossen, eine neue Fahne aus Seide zum Preise von 340 Mark zu bestellen.

Das bereits erwähnte zweite Protokollbuch der St. Gereons-Schützengesellschaft, begonnen durch den damaligen Schriftführer Heinrich Schröder; ist eingeleitet durch die Worte: ,,Mit Gott angefangen im April 1910. Es ist das 49. Jahr seit der Neugründung der Schützengesellschaft.“

Der damalige Vorstand setzte sich zusammen aus dem Ehrenpräsidenten Friedrich Kockerols in Düsseldorf, dem Präsidenten Joseph Schieren und seinem Stellvertreter Joseph Lentzen, beide aus Würm, dem Schriftführer Heinrich Schröder aus Leiffarth und seinem Stellvertreter Joseph Ernst aus Honsdorf, dem Kassierer Lambert lvens aus Würm und dem König Joseph Schieren aus Würm, der wohl mit dem Präsidenten identisch ist. Die Versammlungen fanden wie bisher vierteljährlich statt; das Eintrittsgeld für die neuen Schützen war auf 1,50 Mark ermäßigt worden.

In ihrer Versammlung vom 2. April 1911 beschlossen die Schützen, ein besonderes Schützenfest zu veranstalten. Der Ansteigerer der Schenkwirtschaft auf der Festwiese mußte dazu eine Fahnenbühne mit einem besonderen Weinzelt aufrichten und für mindestens 1000 Personen Sitzplätze mit den entsprechenden Tischen herrichten. Die Wirtschaft übernahm Johann Peschen für den Brauereibesitzer Anton Aretz aus Erkelenz für 380 Mark, die Speisewirtschaft hielt Leonhard Kropp . aus Würm für 25 Mark an sich.

Über das Fest, das am 2. Juli 1911 stattfand, berichtet ein besonderer „Nachtrag zum Schützenfeste“, den der Präsident Joseph Schieren „zur Kenntnis für die Nachwelt“ in das Protokollbuch eintrug, folgendes: ,,An dem Schützenfeste nahmen teil folgende Vereine: l. Radfahrerverein ,Wurmia‘, welcher die Empfangnahme der Vereine besorgte; 2. der Pfarr-Cäcilienchor; 3. die freiwillige Feuerwehr; 4. Müllendorfer Schützengesellschaft; 5. Kriegerverein Beeck. Von auswärtigen Vereinen: 1. Süggerath; 2. Immendorf; 3. Puffendorf; 4. Floverich; 5. Übach;6. Frelenberg; 7. Waldenrath; 8. Ütterath; 9. Porselen; 10. Grebben; 11. Baal; 12. Dremmen; 13. Lövenich; 14. Brachelen; 15. Straeten; 16. Himmerich; 17. Freialdenhoven;18. Loverich; 19. Übach over Worms.

Beim Ehrenstern-Schießen erhielten den 1. Preis Ütterath, den 2. Preis Waldenrath, den 3. Preis Übach. Im Parademarsch erhielt den 1. Preis Dremmen, den 2. Preis Straeten. In Paradehaltung erhielt den 1. Preis Grebben, den 2. Preis Brachelen. Zugesagt, aber nicht erschienen, waren die Bruderschaften von Baesweiler, Gereonsweiler, Hückelhoven und Teveren. Entschuldigt hatten sich Schafhausen, Gillrath, Doveren, Klein-Gladbach und Wassenberg. Abgelehnt hatten Randerath, Oberbruch, Bauchem, Alsdorf, Geilenkirchen, Roerdorf; die übrigen blieben ohne weiteres aus.“

Am 31. März 1912 wurde der Beitritt zum Deutschen Schützenverband beschlossen, aus dem aber auch bald wieder der Austritt erfolgte.

 

1914 - 1932 erster Weltkrieg und Nachkriegszeit

Die Kriegsjahre 1914 bis 1918 wirkten lähmend auf das ganze Schützenwesen. Gleich zu Anfang des Krieges fiel der Schützen-Hauptmann Joseph Hilgers aus Leiffarth. Weiterhin fielen aus den Reihen der St. Gereons Schützen noch Peter Schlömer, Leiffarth und Edmund Jansen, Würm, als vermißt galt Theodor Raschen, Würm. Infolge des unglücklichen Ausgangs des Krieges und der nachfolgenden Besetzung der Heimat ruhte die Tätigkeit der Schützenbruderschaft bis anfangs des Jahres 1920. In diesem Jahre wurde die Königswürde verlost, da der Vogelschuß nicht stattfinden konnte. Das Los fiel auf Wilhelm Bleilevens, der somit König wurde. Auswärtige Schützenfeste wurden wieder besucht; so am 8. August 1920 in Puffendorf, und die üblichen Kirmesveranstaltungen wurden wieder aufgenommen. Im folgenden Jahre, 1921, wurde die Königswürde mit der Luftbüchse ausgeschossen.

Das 60 jährige Stiftungsfest wurde am 2. und 3. Juli 1922 wieder mit einem großen Schützenfest begangen. Die Schenkwirtschaft steigerte Aloys Apolte für seinen Vater Wilhelm Apolte für 6300 Mark an, die Speisewirtschaft übernahm Hubert Baltes für 500 Mark. Es war die Zeit der immer mehr steigenden Inflation, die das Geld entwertete. Sie bewirkte einen Niedergang des Vereinslebens innerhalb der Schützenbruderschaft.

Einen neuen Aufschwung und einen erfreulichen Zuwachs konnten die St. Gereons Schützen im Jahre 1928 verzeichnen. In einer eigens dazu einberufenen Versammlung uam 26. August 1928 konnten die St. Gereons Schützen die Neuaufnahme von 32 weiteren Mitgliedern buchen. Dadurch wurde eine Neuwahl des Vorstandes notwendig Den Vorsitz übernahm Josef Schloemer; weitere 15 Neuaufnahmen konnten am 9. September 1928 getätigt werden.

Am 7. April 1929 beschloß die St. Gereons Schützengesellschaft, die sich nunmehr Bruderschaft nannte, der neuen St. Sebastianus-Erzbruderschaft beizutreten. Beim Königsvogelschuß vom 21. April 1929 wurde Christian Reinartz Schützenkönig.

Als die Gemeinde unverständlicherweise die Unterhaltung des Krieger-Ehrenmals ablehnte, übernahmen die Schützen die Unterhaltung.

Aus Anlaß des 70 jährigen Bestehens der St. Gereons Schützenbruderschaft war für das Jahr 1931 ein großes Schützenfest geplant; wegen der Kostenfrage mußte aber in der Generalversammlung vom 6. Januar 1931 auf die Ausrichtung des Festes verzichtet werden. Dafür verlegte der Kreisschützenverband, dem die St. Gereons Schützen angehörte, sein Vergleichsschießen nach Würm, wo am 21. Juni 1921 die Fahnenweihe in Verbindung mit einem Schützenfest abgehalten werden sollte. Es waren dazu 18 Bruderschaften erschienen, die bei ihrem Festzuge durch den Ort von zehn Trommlerkorps und Musikkapellen begleitet wurden. Die Fahnenweihe nahm der Bundesvorsitzende der Erzbruderschaft, Breuer aus Geilenkirchen, vor.

1933 - 1948 zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Infolge der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus kamen auch für die Schützenbruderschaften schlimme Tage. Am 22. Juli 1934 konnte zwar das erste Dekanatsverbands-Schützenfest noch in Brachelen gefeiert werden. Dann aber folgte im Jahre 1935 die zwangsweise Einordnung der Schützenbruderschaften in den Deutschen Schützenverband mit ganz anders gearteten Zielen. So kam auch die St. Gereons Schützenbruderschaft allmählich zum Erliegen.

Im Mai des Jahres 1936 legten der Vorsitzende Schloemer und sein Stellvertreter Mertzbach ihre Ämter nieder; es fand sich niemand mehr, der sie übernehmen wollte. Der bisherige Schriftführer Heinrichs wurde nun zum Vereinsführer gewählt, legte aber bereits im nächsten Jahre ebenfalls die Führung nieder. Der Bestand an Schützen, die sich noch an den Versammlungen beteiligten, war äußerst gering geworden. Am 26. Februar 1938 faßten daher die verbliebenen Schützen unter Anton Lersmacher den Beschluß, aus dem Deutschen Schützenverband auszutreten, „da die verlangten Anordnungen ein Weiterbestehen der Gesellschaft unmöglich machte“. Dagegen sollte die Gesellschaft als kirchliche Bruderschaft weiterbestehen.

1949 Wiedererrichtung der St. Gereons Schützenbruderschaft

Nach einer elfjährigen Unterbrechung durch die politischen Wirren, durch Krieg, Evakuierung und anschließende Notzeiten regte sich doch allmählich der alte Schützengeist der Vorväter wieder. Auf Anregung des Pfarrers Hubert Schmitz fand am 28. Mai 1949 eine erste Versammlung der St. Gereon Schützen statt, zu der sich 18 frühere Mitglieder und 27 weitere Männer aus der Pfarre Würm einfanden. Pfarrer Schmitz legte den Erschienenen den Sinn und den Zweck einer Wiedererrichtung der St. Gereons Schützenbruderschaft in längeren Ausführungen dar und empfahl, die traditionsgebundene, die Einigkeit fördernde und die Geselligkeit pflegende Einrichtung unter allen Umständen weiterzuführen. Sein Appell hatte den Erfolg, daß sich 18 frühere Schützen und 26 weitere Männer und Jungmänner zum Beitritt bereiterklärten. Als neuer Vorstand wurde berufen als Präses Pfarrer Schmitz, als Vorsitzender Hermann Platzbecker, Würm, und zu seinem Stellvertreter Leo Lersmacher, zum Schriftführer Josef Mertens.

Schützenmeister wurde Peter Wolf, Jungschützenführer Gerhard Hensen; denn auch die heranwachsende Jugend war bei dieser Versammlung zahlreich vertreten. Weitere Offiziere waren Anton Schieren und Josef Schultes.

Am Fronleichnamstage 1949 scharte sich die neuerstandene Schützenbruderschaft um ihren letzten König aus dem Jahre 1935, Jakob Küppers, und begleitete die Prozession mit ihrer Musik.

Bei der nächsten Versammlung fanden sich weitere 45 Männer bereit, der Schützenbruderschaft beizutreten. Daher wurde der bisherige Vorstand um die beiden Beisitzer Wilhelm Schloemer für Leiffarth und Wilhelm Bleilevens für Honsdorf-Flahstraß ergänzt, zum zweiten Zugführer wurde Anton Schieren gewählt. Der Vorstand wurde beauftragt, die Vorarbeiten für den herkömmlichen Königsvogelschuß und die Herbstkirmes einzuleiten.

Der Königsvogelschuß fand am 24. Juli 1949 statt; er nahm einen prächtigen Verlauf. Die St. Gereons Schützenbruderschaft trat in einer Stärke von 80 Mann beim Lokal Apolte zum Festzug an. Auf der Festwiese gelang es dem Schützen Heinrich Kochs, beim zweiten Durchgang den glücklichen Schuß anzubringen, der den Königsvogel von der Stange holte. Den Prinzenvogel der Jungschützen holte Fritz Wienands jun., Würm, herunter: In Ermangelung eines entsprechenden Saales in dem kriegszerstörten Würm fand der Königsball auf dem hinteren Schulhofe statt, wobei die vorgesehenen 400 Sitzplätze nicht alle Festteilnehmer fassen , konnten und aus Anleihen in der Nachbarschaft ergänzt werden mußten.

Die Herbstkirmes fand einen ebenso günstigen Verlauf. Im Festhochamt am 16. Oktober 1949 ließ die Schützenbruderschaft ihre neue Fahne mit dem Bilde des hl. Gereon weihen, die bei der Firma van Wyenberg in Kevelaer hergestellt wurde. Das Glanzstück der Veranstaltung bildete der traditionelle Königsball am Kirmesdienstag. Der Überschuß des Festes in Höhe von 249 DM sollte zur Ausrüstung eines Trommlerkorps der Schützenbruderschaft Verwendung finden.

Die Feier des St. Sebastianus-Tages, des Patrons aller Schützen wurde von da ab durch eine gemeinschaftliche Kommunion mit einem gemeinsamen Frühstück begangen; abends fand ein Kameradschaftsabend statt.

1950 - 1956

Beim Königsvogelschuß am 30. Juli 1950 holte der Senior der Schützenbruderschaft Leonhard Hensen, Würm, den Vogel herunter, während der vorigjährige Prinz Fritz Wienands wiederum den Prinzenvogel schoß.

In Leiffarth machten sich Bestrebungen geltend, für diesen Ort eine besondere Schützenbruderschaft unter dem Namen St. Hubertus Schützenbruderschaft zu errichten.

In tiefer Trauer wurden die St. Gereons Schützen am 27. Dezember 1950 durch den unerwarteten Tod ihres ersten Präsidenten, Hermann Josef Platzbecker, versetzt. Seine Stelle nahm in der Jahreshauptversammlung vom 21. Januar 1951 sein bisheriger Stellvertreter Leopold Kochs, Würm, ein; Stellvertreter wurde Christian Raschen.

Aus besonderen Spenden in Höhe von 320 DM wurde die Beschaffung einer zweiten Schwenkfahne vorgenommen, die von der Bonner Fahnenfabrik geliefert wurde. Sie stellt im Mittelfeld das Siegel des ehemaligen Dingstuhls Würm vom Jahre 1556 dar und gibt als Gründungsjahr der Schützengesellschaft das Jahr 1559, als Anschaffungsjahr der Fahne das Jahr 1951 an. Bei der Anschaffung der neuen Fahne, die das Gründerjahr 1559 angibt, können sich die St. Gereons Schützen mit Recht eine historische Bruderschaft nennen. Diese Fahne wurde beim Schützenfest am 17. Juni 1951 im Hochamte geweiht und der Bruderschaft als ein Symbol der Einigkeit und Treue übergeben.

Nach dem Gottesdienst wurde die Fahne der Pfarrgemeinde in einem schön ausgeführten Fahnenschwenken vorgeführt. An dem nachmittägigen Fest nahmen die Schützenbruderschaften von Kraudorf, Prummern, Lindern, Leiffarth, Teveren und Geilenkirchen teil, fast alle waren von ihren Trommlerkorps begleitet. Beim Ball im Saale Basten wurden den Jubilaren Peter Hilgers und Josef Schieren für eine 50 jährige Mitgliedschaft, den Jubilaren Wilhelm Kleinen, Wilhelm Gerards, Heinrich Kochs und Wilhelm Bleilevens für 40 jährige Mitgliedschaft die Ehrenurkunde des Verbandes durch den Präsidenten Leopold Kochs überreicht.

Die Generalversammlung vom 23. Januar 1955 brachte dann eine Änderung des gesamten Vorstandes, wobei der bisherige Präsident Leopold Kochs zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. Vorsitzender wurde nun Christian Raschen, dem Adam Rahmen als Stellvertreter beigegeben wurde, das Schriftführeramt übernahm Leo Schloemer. Am 13. März 1955 konnten wieder zehn weitere Mitglieder aufgenommen werden. Bei dem Königsvogelschuß am 31. Juli 1955 wurde Willi Einerhand neuer Schützenkönig, er erwählte Marianne Esser zur Schützenkönigin.

Der St. Gereons Schützenbruderschaft zu Würm wurde für das Jahr 1956 das Dekanats-Schützenfest übertragen, bei der ersten Festausschußsitzung vom 20. August 1955 wurde dafür der 15. Juli 1956 bestimmt. Zu diesem Feste wurden 18 Dekanatsbruderschaften und 19 Gastbruderschaften eingeladen.

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